„Der Karlsruher Weg“ – ein Erfolgsmodell?

von Luise Winter

Expertenrunde bei der interdisziplinären „Fachtagung Trennung und Scheidung“ resümierte am 11. Mai 2019

Karlsruhe – 13.05.2019. Das Wohl des Kindes steht ganz besonders im Blickpunkt der Facharbeitsgemeinschaft „Trennung und Scheidung“, die seit 1990 regelmäßig zusammentrifft. Die mit Juristen, Sozialarbeitern und Psychologen wie Pädagogen aus unterschiedlichen Berufsgruppen zusammengesetzte AG arbeitet unter der Federführung des Diakonischen Werkes Karlsruhe, des Caritasverbandes Karlsruhe e.V., des Sozialen Dienstes und der Psychologischen Beratungsstelle der Stadt Karlsruhe, sowie des Sozialdienst katholischer Frauen e.V. (SKF).

Bei der letzten Veranstaltung am 11. Mai 2019 haben die Veranstalter zum Thema „Der Karlsruher Weg“ – ein Erfolgsmodell? Auftrag – Ziele – Kooperationsmöglichkeiten eingeladen. Im Podium diskutierten die beteiligten Professionen (Richter, Mitarbeiter*innen der Psychologischen Beratungsstelle und des Sozialen Dienstes, sowie Vertreter*innen aus Verfahrensbeistandschaft, Umgangspflege und Betreutem Umgang). Im direkten Austausch herrschte Konsens darüber, dass der „Karlsruher Weg“ prinzipiell ein Erfolgsmodell ist – basierend auf einer guten Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen.

Der „Karlsruher Weg“ ist das erklärte Ziel, gemeinsam mit Mut und Entschlossenheit die Eltern möglichst frühzeitig an die ihnen obliegende Verantwortung zu erinnern und gleichzeitig, falls und soweit erforderlich, bei der Findung von einvernehmlichen Lösungen zu unterstützen – immer orientiert am Kindeswohl und an den berechtigten Interessen, den tatsächlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten der Beteiligten. Es ist eine Verfahrensregelung, in der nach Möglichkeit frühzeitig und schnell interveniert werden soll, um lange Umgangsunterbrechungen der Kinder zum anderen Elternteil zu vermeiden. Dem von Trennung und Scheidung betroffenen Kind sollen in aller Regel beide Elternteile erhalten bleiben.

Der „Karlsruher Weg“ basiert auf folgenden Grundannahmen:

    • Eltern bleiben auch in der Trennungs- und Scheidungssituation gemeinsam verantwortlich für die Angelegenheiten ihrer Kinder.
    • Eltern sollten notwendige Entscheidungen möglichst einvernehmlich treffen und ihre Kinder dürfen nicht zum Streitobjekt werden.
    • Die Verfahrensbeteiligten sind gehalten, im Interesse der Kinder Gemeinsamkeiten zu erarbeiten.

Das nach dem Cochemer Vorbild in Karlsruhe seit 2008 praktizierte Kooperationsmodell der „Karlsruher Weg“ soll nach Überzeugung der beteiligten Berufsgruppen in möglichst vielen Umgangs – und Sorgerechtsstreitigkeiten zur Anwendung kommen.

Text: Diakonisches Werk Karlsruhe (rh/lw)

Zurück