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Im September hat Maren ein Praktikum bei uns absolviert und durfte vier Tage lang die Kolleg*innen begleiten und etwas über deren Arbeit erfahren. Hier ihr Bericht.
Tag 1: Zentrum für Seelische Gesundheit
„Sind Sie neu hier?“, hörte ich von einigen Mitgliedern des Club Pinguin als Begrüßung. Sie hatten Recht, ich war neu. Einen Vormittag durfte ich im Zentrum für seelische Gesundheit verbringen. Nachdem mir Frau Ender die Räumlichkeiten zeigte und mir die verschiedenen Angebote vorstellte, half ich gleich tatkräftig in der Küche mit. Pilzrisotto und Schokofrüchte standen auf dem Essensplan. Da hatten alle Hände im Haus viel zu tun, von der Sozialarbeiterin über die Ehrenamtliche bis hin zu den tatkräftigen Clubmitgliedern. Schneiden, anbraten, anrichten, den Tischdecken - all das musste erledigt werden, um ein Mittagessen für wenig Geld zu genießen. Nach dem Mittagessen verlor ich gnadenlos im Tischtennis gegen ein Clubmitglied. Dieser erzählte mir, dass er seit ungefähr zwei Jahren täglich übte und beim nächsten Tischtennisturnier hoffentlich einen Pokal mit nach Hause nehmen wird. Nicht nur Tischtennis, sondern auch Darts wird im Zentrum wetteifernd gespielt. So wird ein jährliches Dartturnier von einem Clubmitglied, der früher höherklassig Darts spielte, organisiert. Überhaupt hat dieses Mitglied vermutlich jede erdenkliche Sportart einmal praktiziert. Im Anschluss habe ich mich mit einem Clubmitglied unterhalten, die mir stolz ihr Ausmalheft zeigte. In diesem waren wunderschön ausgemalte Bilder mit keiner einzigen übermalten Linie. So schön und sauber hätte ich das nicht hinbekommen. Mein Fazit für die Zeit im Club: Die Neue (also ich) wurde mit offenen Armen aufgenommen und konnte sehr viel über die Clubmitglieder und die Arbeit im Zentrum für seelische Gesundheit erfahren. Obwohl ich nur sehr wenig Zeit mit den Menschen verbrachte, wurde ich sogar zu kommenden Events eingeladen. Und wer weiß, vielleicht sieht man sich ja irgendwann wieder.
Tag 2: IKARUS
IKARUS, das ist der Name des Arbeitslosenberatungszentrums, welches ich besuchen durfte. Dort unterhielt ich mich mit Frau Götz, die mir einen Einblick in ihre Tätigkeit gab.
Zu ihren Aufgaben gehört es, Sozialhilfen zu beantragen - in enger Kooperation mit den Jobcenter. Außerdem unterstützt sie die Arbeitslosen bei ihrer Jobsuche. Für all diejenigen, die das selbstständig bewältigen können, steht ein Computerraum zur Unterstützung bereit.
Trotz der vielen Bemühungen und vermittelten Jobs begrüßt Frau Götz immer wieder die gleichen Gesichter im Beratungszentrum. Das liegt daran, dass die Personen oftmals nur einen befristeten Arbeitsvertrag erhalten. Nicht nur für die Arbeitssuchenden, sondern auch für die Mitarbeiter der Beratungsstelle ist das herausfordernd.
Trotz mancher Rückschläge sind es Geschichten, wie die Folgende, die Frau Götz ermutigen. So erzählt sie mir von einer Irakerin, die es schaffte ihr Leben für sich und ihre Kinder nachhaltig zu verändern.
Diese Frau war unglücklich in ihrer Ehe. Nach geraumer Zeit schaffte sie es, sich von ihrem Mann zu trennen. Dieser Schritt war besonders schwer, weil ihr Ex-Mann das Geld verdiente und sie nun mittellos war. An dieser Stelle unterstütze IKARUS die Frau und ihre Kinder beim Beantragen ihrer zustehenden Sozialhilfen. Da die Frau keine abgeschlossene Ausbildung hatte, begannen nun herausfordernde Jahre. Denn die alleinerziehende Mutter beschloss, ihren Schulabschluss nachzuholen. Anschließend ging sie in die Pflege und konnte dort in Teilzeit arbeiten. Mit fortlaufender Zeit und dem Heranwachsen ihrer Kinder konnte die Mutter mehr arbeiten. Somit wurden die ihr zustehenden Sozialleistungen immer geringer. Und das war von Anfang an ihr großes Ziel. Sie wollte komplett unabhängig und frei von jeglicher staatlicher Hilfe werden. Nach vielen Jahren harter Arbeit konnte sie genau das für sich und ihre Kinder erreichen.
Diese Geschichte ist nur eine von vielen. Sie zeigt, wie wichtig die Arbeit von Frau Götz und dem Arbeitslosenberatungszentrum ist. Denn durch ihren unermüdlichen Einsatz entstehen nachhaltige Veränderungen im Leben vieler Menschen.
Tag 3: Beratungsstelle für Prostituierte Luise
An einem schönen sonnigen Vormittag durfte ich die Beratungsstelle für Prostituierte namens Luise besuchen. Dort sprach ich mit drei Sozialarbeiterinnen, die mir von ihrem Arbeitsalltag erzählten.
Die Sozialarbeiterinnen erzählten mir von ihrer aufsuchenden Arbeit sowohl auf dem Straßenstrich als auch in Bordellen. Dort treten sie als Ansprechpartner für die Prostituierten auf. Sie bieten ihnen die Möglichkeit der Unterstützung bei Anträgen, Sozialhilfen, sowie bei einem gewünschten Ausstieg. Insgesamt ist ihnen dabei wichtig, den Prostituierten ihr Leben einfacher, bzw. nach ihrem Wunsch zu gestalten. Vorteilhaft, bei der Kontaktaufnahme zu den Prostituierten ist, dass die Sozialarbeiterinnen zum Teil die gleiche Muttersprache sprechen. Die Sprache sowie die Herkunft kann ein verbindender Faktor sein und erhöht das Vertrauen.
Als ich die Frauen über Schwierigkeiten in ihrem Beruf befragte war eine Antwort die Stigmatisierung von Prostitution. Leider erfahren die Frauen auf dem Straßenstrich nicht nur Ablehnung aufgrund ihres Berufs, sondern auch aufgrund ihrer Herkunft und ihres Geschlechts.
Weitere Probleme der Prostituierten sind, dass diese oftmals keine feste Wohnadresse haben und auch keine Krankenversicherung besitzen. Sich dieser Probleme anzunehmen ist die Aufgabe der Sozialarbeiterinnen. Um bei medizinischen Notfällen möglichst schnell handeln zu können, bekommt das Team Unterstützung von ehrenamtlichen Ärztinnen und Ärzten, sowie die Möglichkeit die Frauen an verschiedene kostenlose Hilfestellen weiterzuleiten.
Bei all den Herausforderungen, mit denen die Sozialarbeiterinnen konfrontiert werden, sind es die kleinen Dinge, die ihnen Mut geben: Von einer abgeschlossenen Krankenversicherung für eine Prostituierte, über neu gewonnenes Vertrauen bis hin zu einem gesunden Neugeborenen. All diese kleinen und großen Meilensteine sind es, die den Sozialarbeiterinnen zeigen, warum und für wen sie ihr Herzblut in ihre Arbeit stecken.
Tag 4: Alkohol akzeptierender Aufenthaltsraum A³
Meinen Vormittag bei A³ durfte ich mit Ann-Kristin Kozian, einer Sozialarbeiterin, auf dem Werderplatz beginnen. Dort waren wir im Namen von „Streetwork“ vor Ort. Nicht nur ich, sondern auch Edison, ein Hund, auf den Ann-Kristin aufpasste, wurden freundlich begrüßt und neugierig befragt.
Die Eindrücke, die ich in den Gesprächen mit den dorfbefindlichen, oftmals drogenabhängigen Personen sammeln durfte, werde ich so schnell nicht vergessen. Insgesamt war die Stimmung auf dem Werderplatz eher positiv. Und das, obwohl die Menschen in oftmals schwierigen Verhältnissen ihren Alltag bestreiten müssen.
So gab es zum Beispiel eine Person, die ihren gesamten Geldbeutel verloren hat und sich nun um einen neuen Ausweis, sowie Krankenkassenkarte kümmern muss. Trotz diesem bürokratischen Aufwand schienen der Person die verlorenen Fotos von ihren Liebsten am wichtigsten zu sein.
Sehr erfreulich war, dass ein 20-jähriger Drogenabhängiger nach monatelanger Überlegung entschloss, eine Entgiftung zu machen. Nach seinem Beschluss hat er kurzerhand eigenständig in einer dafür geeigneten Einrichtung angerufen. Wenn alles gut läuft, kann er schon in den nächsten Tagen mit der Entgiftung starten.
Eine Unterhaltung mit einer Frau reichte von dem Thema Kinderwunsch bis zum KSC. Dabei stellte die Frau klar, dass sie für niemanden sterben würde, außer für den KSC. Wenn das mal keine Fanliebe ist. Auch eher banale Themen wie Geburtstage kamen in den Gesprächen auf. So habe ich zum Beispiel meinen Geburtstagszwilling gefunden. Das ist wenn man am gleichen Tag Geburtstag hat.
Nachdem wir eine kleine Runde über den Werderplatz gedreht haben und mit allen Personen, die mit uns reden wollten, geredet haben, ging es zurück zu A³. A³ ist ein Alkohol akzeptierender Aufenthaltsraum. Da der Werderplatz ein zeitlich begrenztes Alkoholkonsumverbot hat, kommen die Alkoholabhängigen zu den Aufenthaltsräumen. Dort können sie niedrigprozentigen Alkohol in einem geschützten Umfeld konsumieren. Außerdem können die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter vor Ort Gespräche mit den Besucherinnen und Besuchern führen und ihnen bei weiteren Problemen, zum Beispiel bezüglich ihres Wohnraums, helfen.
Mein Fazit für den Vormittag bei A³: Die Arbeit von A³ und der Einsatz auf dem Werderplatz verändert Leben. Von den Aufenthaltsräumen, über freundschaftliche Gespräche bis hin zu Hilfeleistungen den Menschen wird genau da geholfen, wo die Menschen es brauchen. Und das von ganzem Herzen.